Die Seele der Kinder für Vögel öffnen

SCHULE Die langjährige Tierschutzaktivistin Arlet Wills besucht regelmäßig Grundschulklassen, um Kinder für einheimische Vogelarten zu sensibilisieren.

VON ELISA PURSCHKE,MZ

Unterricht
Die Schüler der 3a der Kreuzschule Regensburg blicken gespannt auf Arlet
Wills. In mehreren Unterrichtseinheiten werden sie von der Expertin viel über
verschiedene Vogelarten und ihre Kennzeichen erfahren. (Foto: Purschke)

REGENSBURG Alles begann mit einem Huhn, das Arlet Wills als kleines Mädchen vor der Schlachtung rettete. Heute, Jahrzehnte später, sind Vögel noch immer ihre Leidenschaft. Deshalb ist sie an diesem Freitagmorgen in die Klasse 3a der Kreuzschule Regensburg gekommen, um den Kindern die Vögel unserer Heimat näher zu bringen.

14 Schüler lauschen gebannt, wie Wills von frühen Erlebnissen mit Vögeln erzählt, von ihrem ersten eigenen Vogel, von der Faszination, die diese kleinen Tiere ihr ganzes Leben lang auf sie ausübten. Mitgebracht hat sie dabei auch Fotografien von ihren eigenen Wellen- und Nymphensittichen - und natürlich von "Bazibua", einem seltenen Papagei, der in Südamerika beheimatet ist.

Doch nicht deswegen ist Arlet Wills in die Grundschule gekommen: In mehreren Unterrichtseinheiten möchte sie die Schüler der Klasse 3a zu wahren "Vogelexperten" machen. So erarbeitet sie mit den Kindern an der Tafel die Namen der verbreiteten deutschen Wintervogelarten - von der Amsel bis zum Dompfaff. Auch die verschiedenen Körperteile eines Vogels kommen zur Sprache - was hat es mit dem Bürzel auf sich? Und wo genau befindet sich eigentlich die Kehle?

Die zwei Schulstunden sind schnell vorbei, aber die Kinder sind neugierig geworden. Ihre Sensibilisierung ist Arlet Wills besonders wichtig: "Ich möchte die Seele der Kinder für Vögel anrühren. Wie sonst sollen künftige Naturschützer heranwachsen?" Der pensionierten Rektorin geht der Lehrplan dabei nicht weit genug. Deswegen engagiert sie sich schon seit über 20 Jahren ehrenamtlich. In ihrer ehemaligen Wirkungsstätte, der Hans-Herrmann-Grundschule, fand sie Ende der 90er-Jahre Nester von Mauerseglern. Als diese ihre Brutplätze im Zuge von Sanierungsmaßnahmen an der Schule zu verlieren drohten, war sie zur Stelle. In den folgenden Jahren kämpfte sie mit unermüdlichem Einsatz für die Tiere, errichtete Brutnester, sammelte Spenden, organisierte Ausstellungen und Aktionen mit Schülern und vieles mehr. Die Idee wurde zum Großprojekt: Noch heute pflegt Arlet Wills eine Homepage über die Aktivitäten der "Mauerseglerschule", wie die Hans-Herrmann-Schule mittlerweile ebenfalls genannt wird, säubert im Frühjahr persönlich die Brutkästen und betreibt sogar eine Webcam, mit der sich die Vögel während der gesamten Brutzeit beobachten lassen.

Das Engagement zahlte sich aus: Die Tierschützerin erhielt nicht nur den Umweltpreis der Stadt, sondern 2011 als erste Regensburgerin vom ehemaligen Umweltminister Söder die Auszeichnung "Grüner Engel".

Wenn der Mauersegler in der kalten Jahreszeit gen Süden zieht, gönnt sich Arlet Wills noch lange keine Ruhe: Über den Landesbund für Vogelschutz organisierte sie mehrere Schulprojekte wie das in der Kreuzschule, wo sie in den folgenden Wochen neben der 3a noch eine weitere Klasse betreuen wird. Für diese Herzensangelegenheit bleibt ihr allerdings nicht mehr viel Zeit - denn schon am 28.April kehrt der Mauersegler plangemäß zurück.

Quelle: MZ, 02.03.2013
Stand: 26.09.2017 00:33
Mauersegler